Wahrzeichen von Dortmund wird komplett saniert, 72 Meter hohes „U" erhält neue Vergoldung

(ABZ Ausg. Nr. 45, 2008)

Wer die Skyline von Dortmund betrachtet - sei es vom Flieger aus, von der Aussichtsplattform des Fernsehturmes oder von den umliegenden Höhen, der kommt nicht umhin, seinen Blick auch auf ein Bauwerk zu richten, das mittlerweile als Wahrzeichen von Dortmund bezeichnet werden kann:

Das Dortmunder U ist ein denkmalgeschütztes Industriegebäude am ehemaligen Stammsitz der Union-Brauerei, zuletzt Brauerei Brinkhoff, in der Dortmunder Innenstadt.

Als „Dortmunder U" oder „U-Turm" bezeichnet man das ehemalige Gär- und Lagerhochhaus der Union-Brauerei. Es entstand in den Jahren 1926 und 1927 als erstes „Hochhaus" Dortmunds. Hier wurde das Bier noch in offenen Becken vergoren. Das eigentlich mehrteilige Gebäude ist als Stahlbetonbau erbaut und steht auf 40 Pfeilern. Der Hauptturm wird von einem zweistufigen gitterförmigen Aufbau bekrönt. Auf dem Dach prangt seit 1962 das vierfache, 9 Meter hohe, beleuchtete, goldene „U" als Firmenzeichen der Union Brauerei. Um das Hochhaus entstand im Laufe der Zeit ein ausgedehnter Gebäudekomplex.

Mittlerweile ist das gesamte Gebäude denkmalgeschützt, was dazu führt, dass Bausubstanz und Optik als solches erhalten werden müssen. Der pyramidenförmige Dachaufbau, die dekorative Klinkerfassade und die Gebäudearchitektur sind Zeugen einer Epoche, die als gemäßigter Expressionismus bezeichnet wird. Gut erhaltene Gebäude dieser Art gibt es nicht mehr viele, umso größer ist das Bestreben, sie zu erhalten, was gerade in Dortmund geschieht.

Nach der Sanierung ist für das Dortmunder U eine kulturelle und gastronomische Nutzung vorgesehen. Im Januar 2008 wurde ein Umbau des Gebäudes zu einem Zentrum der Kreativwirtschaft beschlossen. Das Dortmunder U wird das Dortmunder Leuchtturmprojekt im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010 Essen - für das Ruhrgebiet. Am 26. Februar bewilligte die Landesregierung NRW die Umbaupläne. Das Projekt soll insgesamt 46 Millionen Euro kosten, davon werden 50 % aus EU-Mittel, 20 % aus Mitteln des Landes NRW und 30 % aus Mitteln der Stadt Dortmund bestritten.

Bis zum Jahr 2010 wird eine Komplettsanierung des Gebäudes durchgeführt. Dazu zählen die Dach- und Fassadensanierung, die Renovierung des goldenen „U" mit neuer Blattgoldauflage, die komplette Entkernung des Gebäudes sowie der Neuausbau zum kulturellen Zentrum der Stadt Dortmund.

Für diese umfangreichen Baumassnahmen sind selbstverständlich ebenso  umfangreiche Gerüstbauarbeiten Voraussetzung, um die eigentlichen Arbeiten überhaupt erst durchführen zu können. Den Zuschlag für die Gerüsterstellung erhielt die Spezialgerüstbaufirma BSB, Franke und Wagner aus Schmölln, betreut durch die Niederlassung West in Kaarst. Dieses thüringer Unternehmen, welches Anfang der neunziger Jahre gegründet wurde, hat sich bereits mit zahlreichen spektakulären Objekten einen Namen gemacht. Sei es im Industriebereich, vorzugsweise auch an denkmalgeschützten Gebäuden, Flughafentowern, und besonders an sakralen Gebäuden - BSB hat sich zu dem entwickelt, was von Anfang an die Vision der Geschäftsführer war: ein echtes Spezialgerüstbauunternehmen mit höchsten Ansprüchen an die eigene Qualität. Und auch in Dortmund war wieder großes Gerüstbaukönnen gefordert. Insgesamt wurden an die 16.000m² Gerüst verbaut, davon 8.000m² als Fassadengerüst, Gruppe 4, im Bereich der Kolonnaden und des „U" weitere 4.000m² in Kombination mit Rohr-Kupplungsgerüst. Im Innenbereich wurde ein Raumgerüst von 8.000m³ errichtet. BSB, von Beginn an Anwender von Rux-Gerüstsystemen, brachte auch hier wieder das Schnellbaugerüst Super 65/100 zu Einsatz.

Die eigentliche Aufbauzeit war auf 3 Monate geplant. Während des Beginns der Arbeiten wurde jedoch sehr schnell festgestellt, dass erhebliche Zusatzleistungen zu erbringen waren, um eine entsprechende Gerüstgründung herzustellen. Aufgrund der großen Gebäudehöhe und der teilweisen Unterkellerung der Freiflächen, auf denen die Gerüste stehen sollten, mussten aufwändige Lastverteilungsarbeiten vorgenommen werden. Mittels Kernbohrungen und Walzprofilen bis HEA 220 wurde dieses Problem gelöst. Ein weiteres stellten bereits neu errichtete Glasanbauten dar.

Auf einer Länge von 30 Metern musste das 48 Meter hohe Gerüst auf auskragenden Stahlträgern bis HEB 300 und 2,50m hohen Spezialkonsolen aus HEB 160 in Verbindung mit Stahlgitterträgern errichtet werden. Für die Gründung des Gerüstes am „U-Zeichen" musste in 60 Metern Höhe ein Trägerrost mit Stahlträgern HEB 300 in den Abmessungen 12 x 12 Metern montiert werden. Aufgrund der großen Gebäudeabmessungen war für die Materialzuführung zwischenzeitlich ein 200 Tonnen Mobilkran mit einer Höhe von über 80 Metern erforderlich. Starke Winde gestalteten die Arbeiten ab 30 Meter Höhe zusätzlich als sehr schwierig, da sich das Gebäude und besonders das „U" in freier Lage befinden. Teilweise musste die Arbeit aufgrund der Stürme unterbrochen werden. Insgesamt wurde die geplante Aufbauzeit - nicht zuletzt auch aufgrund der nicht vorhersehbaren Schwierigkeiten bei der Gerüstgründung - um ca. 6 Wochen überschritten.

Zwischen 7 und 11 Mitarbeitern hatte BSB während dieser Zeit vor Ort. Für den Materialtransport kamen neben dem oben erwähnten Autokran auch Transportbühnen von HEK (GTP 1500) und Steinweg (Superlift S 200) zum Einsatz. Im Bereich der östlichen Fassade wurde weiterhin der Rux-Duo-Lift verwendet, um das Gerüstmaterial auf die endgültige Höhe von 48 Metern zu befördern.

Das Gerüst musste in allen Bereichen Gerüstgruppe 4 bringen, zudem mussten die Gerüstlagen um das Gebäude unbedingt in einer Höhe verlaufen. Die Gerüste im Bereich des „U" konnten nur an dem dort errichteten Trägerrost verankert werden, eine Verankerung an der U-Konstruktion war nicht möglich. Die gesamte Rüstung im Bereich des „U" und der Kolonnaden war mit Kederplanen wind- und staubdicht einzuhausen, was ebenfalls zu einer erhöhten Beanspruchung der Verankerung führte und bei der Planung zu berücksichtigen war. Die statische Berechnung aller Teilabschnitte wurde vom Ingenieurbüro für den Gerüstbau, Joachim Specht aus Schalksmühle erstellt.

Bei so komplizierten Gerüsten mit hohen statischen Ansprüchen kommen die Vorzüge des Schnellbaugerüstes Rux-Super 100 zur Geltung. Bauleiter Dölz zur ABZ: „Das Gerüst zeichnete sich in allen Bereichen durch eine hohe Stabilität, den schnellen Aufbau und die flexible Anpassung an die teilweise stark gegliederte Gebäudestruktur aus. Ohne große statische Zusatzmaßnahmen konnten Gerüsthöhen bis 56 Meter incl. einbohliger Konsole realisiert werden."

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